Subbotnik – Sonnenuntergäng

Gemacht von Rabauke Film, A19.me & Subbotnik in 2014. Danke an all die tollen Darsteller und den Riesensupport vom Pflegeheim Südhus Nord in Rostock-Toitenwinkel! Wir haben jetzt schon mal vorreserviert…

Subbotnik – EP

So, dann endlich raus damit! Jetzt ist unsere EP online! Wir sind gespannt, was ihr sagt.

Lauter, nachdenklicher, abtrünniger

Der Fluch unserer Zeit ist doch die Multioptionalität. Es gibt viel zu viele Wege zum Erfolg und noch mehr ins Scheitern. Wer heute Musik macht, weiß doch gar nicht mehr wohin vor lauter Coolness-Optionen, denn alles ist erlaubt vom Gothic Gospel bis zum christlichen Rap. Das gute Rock’n’Roll-Rezept findet man aber nicht im Diskurs, sondern immer noch im guten alten Bauch. Und das haben Subbotnik kapiert: dass sie beeindrucken müssen. Sich selbst und die Leute. Alles andere kommt von selbst.

„Wir wollen bürsten“, sagt Sänger Flo. „Wir wollen die Leute umhauen!“

Oh ja, Subbotnik sind tatsächlich Umhauer und Bürster, das ist vor allem live längst protokolliert. Deshalb schmeißen sie auch musikalisch ungerührt alles in einen Topf, was Gesäß in der Hose hat, egal ob Rap oder Rock. Subbotnik sind keine Feingeister. Sie wollen nicht geistern, sondern heimsuchen. Und zwar mit „Rostocker Lebensgefühl“, wie es das Studenten-Magazin HEULER einst schrieb. Und wie geht Rostocker Lebensgefühl?

„Ein guter Freund von mir aus Rostock, der Rapper Ostmaul, hat damals etwas gesagt, was mich sehr beeindruckt hat: Rostock ist wie New York. Wenn du’s hier schaffst, schaffst du’s überall“, erzählt Sänger/Rapper Flo, wenn man ihn nach Rostock fragt.

„Wir leben an einem Ort, für den man sich bisher nur interessiert hat, wenn man geil auf ein paar schöne Spiegel TV-Aufnahmen von Nazidemos war. Doch Mannschaften wie Hansa und Menschen wie Marteria gaben der Region wieder Selbstbewusstsein und Mut zurück. Auch uns als Band.“

Und wie sind denn die Leute in Rostock und wie wirkt sich das auf die Musik aus? „Die Menschen hier sind zurückhaltend, es fehlt manchmal die Begeisterungsfähigkeit und das Selbstvertrauen, sich selbst zu feiern und auch mal ganz ohne Kontrolle loszulassen“, sagt Flo.

Logisch also, dass Subbotnik in Liedern wie „Sonnenuntergäng“ vor allem das Loslassen propagieren, dass sie sich den Großkotz trauen, dass sie die Fäuste aus der Taschen nehmen, aber trotzdem immer ganz bei sich bleiben und da, wo sie herkommen. Der Großteil der vier Männer ist im beschaulichen Güstrow aufgewachsen, wo man eher unangenehm auffällt, richtet man seinen Lebenslauf nicht an den Koordinaten „Schule fertig, Zivi, Studium in der Regelstudienzeit, Job, Frau Kind, Haus, Tschüss“ (Zitat Flo) aus. Da hilft nur der klassische Weg aus der Vorherbestimmtheit: Gründe eine Rock’n’Roll-Band, geh in die nächstgrößere Stadt und….
…hab erst mal Geduld.

„Es geht nicht immer mit dem Kopf durch die Wand, man muss Menschen verstehen lernen und man darf man nicht aufgeben, wenn eine Sache einem etwas bedeutet“, sagt Flo.

Musikjournalistische Gretchenfrage: wie klingen Subbotnik denn nun? Der Produzent David Jonas spricht von „Punk“ und zwingt man die Band zur Selbstauskunft, erzählt sie von britischem Indie und deutschem Hip Hop. Der Schreiber dieser Zeilen würde sagen: Neue Rotzige Welle, Neue Rostocker Welle, irgendeine Welle auf jeden Fall. Große Welle. Bürstet dich weg.